
UMP3: Hallo Gabriel, erzähl uns ein wenig über deinen musikalischen Hintergrund.
Gabriel : Ich liebe alle Arten von Musik mit Herz und Verstand. Toll finde ich Sachen, die in mir Energie freisetzen. Mich hat schon immer einfache, also im prinzip Minimalmusik interessiert. Sei es klassische, elektronische, punkische Musik.
UMP3: Du wohnst zur Zeit in Köln. Wo wurdest du geboren ?
Gabriel : Ich bin auf der Durchreise in Bad Driburg zur Welt gekommen. Im tiefsten Ostwestfalen. Irgendwann bin ich da auch wieder gelandet und habe auch dort angefangen Musik zu machen. Ein wirklich trister und immer verregneter Ort. Im Winter ist es um halb zwölf in der Innenstadt so leise, daß man die Schneeflocken wirklich fallen hören kann.
UMP3: Warum der Umzug nach Köln ?
Gabriel : Ich wurde von meiner Familie “motiviert” doch noch was anständiges zu lernen und habe mich dann für eine ausbildung als tontechniker entschieden. Das gabs natürlich nicht auf dem Dorf. Köln war einfach eine reine Bauchentscheidung, außerdem kamen einige mir lieb gewonnene Musiker aus köln. Ich dachte, da kanns nicht so übel sein.
UMP3: Inwiefern hat sich dadurch deine Perspektive, deine Vision geändert ?
Gabriel : Was sich vor allem geändert hat, war der Lebensstandart. Von einem gesunden, ausgeruhten Leben auf dem land in ein anstrengendes, stressiges Leben in der Stadt zu wechseln, hat vor allem meine Bedürfnisse verändert. Aus dem Bedürfnis mal richtig die Sau raus zu lassen wurde ein Bedürfnis nach Ruhe und Ordnung. Das hat sich sehr auf meine Musik ausgewirkt. Natürlich hat auch der viel höhere, kreative Input in der Stadt mich sehr inspiriert und zu neuen Denkweisen und Ansätzen herausgefordert. Gerade die Dichte an künstlerisch fähigen Leuten ist in Köln sehr hoch. Menschen die wirklich kritisieren können, sind verdammt selten aber so wichtig.
UMP3: Neue Technolohien sind meist für Live Acts ein wichtiges Thema. Wie ist deine Meinung ?
Gabriel : Für mich ist Technologie nur ein hilfsmittel. Ich habe auch schon super Sachen mit einem Atari und einem Soundmodul gemacht. Alter ego produzieren ihre sachen mit einem Nordlead und einem Sampler. Einige Neuerungen wie das Bearbeiten von Samples mit Software hat uns einige schöne Sounds hervorgebracht. Allerdings beobachte ich immer wieder, daß viele Tracks mit 10000 interessanten Samples vollgepackt werden, die Musik und die Energie dabei aber auf der Strecke bleibt und das ganze irgendwie tot, unhomogen und anstrengend klingt.
Ich bin der Meinung, weniger schnick schnack ist mehr. Tolle Sounds sind wichtig und gut, können aber nur sehr selten ein Stück tragen. Ich will etwas erleben, spüren und motiviert werden wenn ich musik höre. Da kann guter und neuer Sound helfen, ist aber nicht das wichtigste, finde ich. Von den meisten Platten aus den letzten Monaten bin ich insgesammt ziemlich enttäuscht. Irgendwie wollen “alle” klingen wie Ricardo Villalobos und kopieren die Sounds und Styles. Gefühle und Musikalität kann man aber nicht kopieren und die bleiben dann einfach auf der Strecke. Das ganze hatten wir ende der neunziger schonmal, als es fast nur noch Toolplatten gab. Ein paar Leute sind damit groß geworden und sehr viele andere haben dann versucht auf den zug aufzuspringen. Das ganze hat darin geendet, daß es irgendwann einfach keiner mehr hören wollte
UMP3: Hast du zur Zeit einen feste Resident im Club ?
Gabriel : Nein, allerdings spiele ich schon fast regelmässig im artheater in köln. Ein Laden mit wirklichem Interesse an Kultur und Qualität. Dort komme ich nie ohne eine wirklich ernstzunehmende Kritik wieder raus.
Trotzdem ist die Stimmung dort fast immer überwältigend. Super Laden!
UMP3: Wir trafen und letzten monat im coccon club. Wie war dein eindruck von der Location, dem publikum, der Philosphie die hinter dem club steht ?
Gabriel : Zunächst. Ja, der cocoon club ist schick, teuer und das zum teil unnötig. Allerdings muss ich sagen, daß im cocoon club alle Energie und alles Geld dafür investiert wurde, um einen richtigen Technoclub zu erschaffen. Der Sound, das Licht, der Nebel, die Aufteilung der Räume und der Künstlersupport ist wirklich einzigartig und nur für eines konzipiert. Technoparties.
Wenn der Laden voll ist, kann man dort wirklich magische Momente erleben.
UMP3: “Glitter” erschien auf der Coccon 3×12″. Sven Väth packte “Süssholz” auf seine letzte mix CD. Geben die Veröffentlichungen noch einmal ein spürbaren schub für die eigene Karriere oder war es einfach nur eine Frage der Zeit ?
Gabriel : Steter Tropfen hüllt den Stein. Jedes Ereignis, jede Platte und jeder Auftritt sind wichtig, und bringen einen weiter. Ich glaube aber, daß sich vor allem Hingabe zur Musik und Qualität in der Arbeit auf dauer mehr durchsetzen, als Hypes. Bei mir hat es sehr lange gedauert, bis ich von Techno leben konnte. Ich hoffe, daß in dieser langen zeit auch ein stabiles Fundament entstanden ist, was nicht nach 2 jahren zerbröckelt ist.
UMP3: Ich las irgendwo, dass die Sven Väth vom Grunge zum Techno sozialisiert hat …
Gabriel : Ich habe irgendwann gemerkt, daß ich mit meiner Gitarre nicht weiterkam und eine Bandgründung ungefähr so schwer ist wie eine Jamaica Koalition. Ich war dann unterwegs auf diversen Technoparties, war aber nie wirklich geflasht. Bis ich Sven Väth erleben durfte. Sven Väth schafft es, die Partycrowd zusammenzuschweissen und einem ein musikalisches wie soziales Erlebnis zu bescheren, was man sein leben lang nicht vergisst. Ich denke übrigens, daß im Grunde wahrscheinlich der Großteil aller Technoartists von Sven Väth inspiriert wurden, das zu tun, was sie jetzt tun.
UMP3: Welche neuen Artists / Acts hörst du momenztan gerade. Und welche davon haben dich inpiriert ?
Gabriel : Inspirationen erhalte ich von unzählig vielen Artists. Namen zu nennen ist immer schwierig für mich. Natürlich finde ich Mathew Jonson, James Holden, Dominik Eulberg usw sehr interessant. Ich versuche aber zwischen den Zeilen zu lesen, dh, den Zeitgeist aufzuschnappen. Ich finde es im Moment spannend, wenn es jemand schafft, auf einfachem und unverschnörkeltem Wege eine bestimmte Essenz herauszuarbeiten und dabei ordentlich Energie transportiert. Genauer möchte ich es garnicht definieren.
UMP3: Deutsche Acts wie Silbermond, Wir sind Helden oder Juli sind gerade dabei die alten Rockhelden abzulösen. Fast zeitgleich bist du mit Dominik Eulberg, Robag Wruhme, Mathias Kaden oder eben im Hardteechnobereich DJ Amok usw. dabei die alt gewordenen Djs der ersten Stunde, im Bereich der deutschen elektronischen Szene, in den wohlverdienten Ruheschlaf zu schicken. Siehst du Parallelen ?
Gabriel : Das ehrt mich, macht mich aber auch ein bischen nachdenklich. Ich will niemanden in den Ruheschlaf schicken, wenn er mit dem Herzen dabei ist, ob alt, ob neu. Die Parallelen sind wohl, daß sich der Zeitgeist geändert hat. Eigentlich kenne ich mich aber im Poppbereich zu schlecht aus, um etwas darüber sagen zu können.
UMP3: Du bist als Live act bekannt die Technoelemente mit housigen Sounds füllt…
Gabriel : Ich versuche einfach die Power von Technobeats mit emotionaler, wenn auch einfacher Musik zu verbinden. Das ist das Ergebnis. Eigentlich bin ich nicht so housy glaub ich. Das wird nur angenommen, weil Melodien im Techno eher weniger als im house zu finden sind.
UMP3: Auf deiner neuen Remix LP (Karmarouge 13) remixt du den Track “Sinn des Lebens” selbst. Wo siehst du für dich den Unterschied zum produzieren eigener tracks (wobei ein remix sicherlich einen eigenständigen track darstellt (am. d. red.)?
Gabriel : Normalerweise lege ich einfach los und versuche das einzufangen, was gerade in der Luft schwebt um es dann zu vertonen. Bei einem Remix gibt es aber immer eine Vorlage. Ich benutze zb. prägnante Charakteristika des Originals, manchmal dient auch nur der Titel als Inspirationsquelle. Jedenfalls muss ich versuchen mich bei Remixen auf etwas vorgegebenes einzulassen, was mir aber auch oft nicht gelingt. Dann gibts halt keinen remix.
UMP3: In den letzten Monaten gab es eine Reihe von Releases von Dir. Glitter auf der Coccon Comp. E, die Karmarouge 13, Treibstoff hat die Süssholz RMX veröffentlicht. Was wird demnächst von dir zu hören sein ?
Gabriel : Ich treffe mich jetzt mit cio d´or und mache ein bischen musik mit ihr. Auf karmarouge ist ja grad “ihre persönliche glücksmelodie” erschienen. Ein stück aus meinem liveact. Außerdem gibts demnächst wieder eine Treibstoff und evtl ein release auf ovum. Ein nächstes Album ist noch nicht in Planung.
UMP3: Was sind Dinge die du liebst und Dinge die du hasst ?
Gabriel : Ich liebe alles was ich nicht hassen muss. Eigentlich bin ich auch kein mensch der etwas wirklich abgrundtief hassen kann. Ich mag es zb. nicht, wenn gute dinge aufgegeben werden, die nicht richtig versucht wurden. genauso nervt es mich, wenn Menschen schnelle Urteile fällen und Dinge nicht hinterfragen. Außerdem missfällt mir die Haltung der 10 % der Menschen, die 90% des gesammten Kapitals dieses Planeten besitzen und nichts anderes tun, als dieses auf Kosten anderer zu vermehren. Das sind die Schlimmsten. Die kontrollieren immer mehr die Politik und das Volk durch systematische Verblödung durch die Medien, die natürlich auch unter deren Kontrolle stehen. Das wird zZt. in den USA sehr deutlich. Bitte seid aufmerksam und glaubt nicht alles was in Focus TV oder sonstwo für dummes Zeug gequatscht wird. Ich hatte mal Gelegenheit ein bischen hinter die Kulissen dieser Medien zu schauen. Ein Albtraum aus wirklich skrupelloser Lügnerei, Koruption, Macht und Geldgier.
… thanks for your time and enjoy ! dont forget to check out Gabriel Ananda´s release
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